Geschichte von Anzhelika Pretko aus dem Dorf Jahidne, Gebiet Tschernihiw
AUTOR:
Während der Besatzung trieben die Russen fast alle Bewohner von Jahidne in den Keller der Schule. Die Telefone und Wertsachen der Menschen wurden weggenommen. Im Keller gab es praktisch keine Luft, doch durften die Menschen höchstens einmal am Tag nach draußen gehen.
Anzhelika Pretko, eine Bewohnerin von Jahidne, und ihre Familie gehörten zu denjenigen, die im Keller der Schule festgehalten wurden.
“Zunächst versteckten wir uns mit der Familie - meiner Mutter, meinem Vater und meinen Großeltern - im Keller unseres Hauses. Aber am 5. März, gegen 16 Uhr, brachen die russischen Militärs in unser Haus ein und zwangen uns in den Keller der Schule zu gehen. Ich habe in dieser Schule von der 1. bis zur 9. Klasse gelernt”, sagte Anzhelika.
In der Panik gelang es der Familie der Frau, das Nötigste mitzunehmen: Medikamente, Dokumente und etwas zu essen. Als Anzhelika im Keller der Schule ankam, war bereits mehr als das halbe Dorf anwesend. Alle waren da: kleine Kinder, Rentner, bettlägerige und behinderte Menschen. Alle waren in das Dorf gekommen, weil sie dachten, hier sei es sicherer als in der Stadt. Leider haben sich die Leute geirrt.
Zunächst nahmen die Besetzer den Einheimischen nichts weg, aber nach 2-3 Tagen begannen sie, ihre Telefone wegzunehmen. Die Großeltern von Anzhelika waren krank, und die Zustände im Keller waren für sie unerträglich. Außerdem haben die Russen den Menschen nichts zu essen gegeben. Jeder aß, was er mitnehmen konnte.
Da sich viele Menschen im Keller aufhielten, kam es häufig zu Erstickungsanfällen. Jeden Tag ging es den Großeltern von Anzhelika schlechter. Schließlich haben ihre Beine fast versagt, und sie begannen, verrückt zu werden. Sie verstanden nicht, was geschah und wo sie sich befanden.
Anzhelika und ihre Eltern erkannten ihren Zustand und beschlossen, das Risiko einzugehen und ihre Großeltern nach Hause zu bringen. Anzhelikas Vater bat die Dorfgenossen darum und sie halfen. Doch am nächsten Tag, als die Besatzer Anzhelika und ihrem Bruder erlaubten, nur für eine halbe Stunde nach Hause zu gehen, um ein paar Sachen zu holen, fanden sie ihren Großvater tot auf. Er lag in seinem Haus und atmete nicht mehr. Er war 70 Jahre alt.
Ab 11. März sind bereits etwa 5 Menschen im Keller der Schule gestorben. Dann begannen die Menschen, die russischen Militärs zu bitten, sie gehen zu lassen und sie zu begraben.
Am nächsten Tag gingen Anzhelika und ihre Dorfgenosse zum Friedhof. Russische Fahrzeuge fuhren vorbei. Und nur ein paar Minuten später begann der Beschuss. Anzhelika hatte keine Zeit mehr, ihren Großvater zu beerdigen.
Nach dem Beschuss spürte die Frau, dass ihr in den Rücken und ins Bein geschossen wurde, und auch ihr Vater wurde ins Bein getroffen. Beide konnten nicht mehr gehen. Anzhelikas Mutter wurde ebenfalls verwundet, konnte sich aber wenigstens bewegen und laufen.
So gut es ging, flüchteten sie vom Friedhof und kehrten in den Keller der Schule zurück, da sich dort Militärärzte befanden. Sie leisteten erste Hilfe und nähten die Wunden zu. Die ganzen folgenden Tage verbanden sie die Verwundeten und nahmen die Nähte ab.
Die ganze Zeit über blieb Anzhelikas Großmutter im Haus, in dem alle Fenster und das Dach kaputt waren, und sie hatte nichts zu essen. Die Familie von Anzhelika durfte ihre Großmutter nicht mehr besuchen. Sie sagte, dass sie das aß, was das Militär ihr manchmal brachte.

Am 30. März sperrten die Besetzer schon wieder die Menschen im Keller ein. Sie unterbauten einfach die Tür und erlaubten niemandem, den Raum zu verlassen. Üblicherweise konnten die Menschen mehrere Tage so bleiben, und dann erlaubten die Russen ihnen, an die frische Luft zu gehen.
Aber dieses Mal hörten die Leute, dass sich die Ausrüstung des Feindes in Bewegung setzte. Im Laufe des Tages verließen sie Jahidne, und schon am nächsten Tag kamen die ukrainischen Militärs. Sie kontrollierten alle Häuser und Straßen und erlaubten den Leuten, nach Hause zu gehen.
Unmittelbar nach der Befreiung des Dorfes brachten ukrainische Soldaten Anzhelikas Vater ins Krankenhaus, da er noch immer nicht gehen konnte. Anzhelika und ihre Familie wurden an einem sicheren Ort zu Verwandten evakuiert.
Das Material wurde auf der Grundlage von Zeugenaussagen erstellt, die von den Dokumentierer der Charkiw Menschenrechtsschutz-Gruppe gesammelt wurden.
These pictures are created by artificial intelligence. They are NOT real. They are illustrations of the stories we tell. Most of these stories could not have been fixed by the camera. At the same time, there is documentary work by hundreds of Ukrainian and international photographers who produce real, and so much painful, documentation of this war. Check photographs by Oleksandr Glyadelov, Maksym Dondiuk, Mstyslav Chernov and Yevhen Malolietka, Andriy Dubchak, Yulia Kochetova, and many others.