Geschichte von Vadym Kuzenko, der 110 Tage in einer von den russischen Besatzern organisierten Folterkammer in Kupjansk verbrachte
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Vor der russischen vollmaßtäblichen Invasion diente Vadym Kuzenko in den ukrainischen Streitkräften und trat aus gesundheitlichen Gründen vor dem Jahreswechsel 2022 in den Ruhestand. Im Februar kam er aus geschäftlichen Gründen nach Kupjansk. Hier wurde er von dem großen Krieg und der Besatzung überrascht. Während der Besatzung informierte einer der Einheimischen die Russen über Vadym, und er landete in der berüchtigten Gefängniszelle der Polizeistation des Bezirks Kupjansk. Nach Angaben des Sicherheitsdienstes der Ukraine hat das russische Militär etwa 400 ukrainische Bürger illegal in dieser Folterkammer festgehalten.
Am 24. Februar 2022 war Vadym auf seiner Datsche im Dorf Gluschkivka bei Kupjansk. Er konnte nicht ausfahren, denn am ersten Kontrollpunkt hätten ihn die Russen als ATO-Teilnehmer festgenommen. Also blieb er auf der Datsche. Er pflanzte einen Gemüsegarten an. Im Mai holten sie ihn ab.
Zwei feindliche Autos fuhren zum Vadyms Haus vor. Die Besatzer schlugen ihn mit einem Gewehrkolben auf den Kopf und legten ihn mit dem Gesicht nach unten ins Gras. Während Vadym dort unter der Aufsicht eines der Soldaten lag, durchsuchten die anderen sechs das Haus, die Küche, den Keller, den Dachboden und die Schuppen. Sie durchsuchten alles, fanden aber nichts. Sie banden Vadyms Händen fest und brachten ihn in eine unbekannte Richtung.
Unterwegs hielten die Russen an zwei weiteren Adressen, brachen die Türen mit einem Vorschlaghammer auf und suchten nach jemandem. Die ganze Zeit über wurde Vadym mit einem Sack über dem Kopf festgehalten, seine Hände waren mit Fesseln umklammert, daher sind sie später stark geschwollen. Die dunklen Spuren der Fesseln sind noch immer an Vadyms Händen zu sehen.

Vadym wurde zur Kreispolizeibehörde Kupjansk gebracht und in einen der Gefängnisräume gesteckt. Da er in der ukrainischen Armee gedient hatte, wurde er mit einem Metall-Kunststoff-Heizungsrohr und einem Offiziersgürtel mit Schnalle geschlagen und mit Strom gefoltert.
„Sie brachten Klemmen an mir an, Sie können ahnen, wo... Eine Klemme an meinem Ohr, das andere unter meinem Bauch. Andere wurden von hinten mit Handschellen aufgehängt. In einem der Gefängnisräume gab es ein horizontales Reck... Sie schlugen uns so hart, dass die Jungs ohnmächtig wurden. Es wurde ständig geflucht und geschrien. Ich habe noch nie solche Schreie gehört wie in den ersten Tagen meines Aufenthalts dort”, erinnert sich Vadym.
Sie fragten Vadym nach Waffen, warum er in der ATO diente und wen er in der ATO kannte. Natürlich hat der Mann ihnen nichts gesagt.
Vadym wurde mit acht anderen Männern in einem zweisitzigen Gefängnisraum festgehalten. Einige der Männer waren dort, weil sie gegen die Sperrstunde verstoßen hatten. Einige waren für 10-15 Tage dort. Einige für einen Monat. Vadym verbrachte fast 4 Monate in der Folterkammer.
Von Zeit zu Zeit kamen Militärärzte in die Gefängnisräume und „wiederbelebten“ diejenigen, die am Rande des Todes standen. „Aber es gab Fälle, in denen die Besatzer vergaßen, die „Futtertröge“ [Fenster für das Füttern] zu schließen, und es war offensichtlich, dass eine Person weggetragen wurde. Es ist nicht wie mit einer Streichholzschachtel, die man nicht unbemerkt herausnehmen kann. Drei oder vier von ihnen trugen auf einem Laken….“, sagte Vadym.
Glücklicherweise wurde Vadym nur in den ersten Tagen gefoltert. Den Rest der Zeit wurde er einfach hinter Gittern gehalten. Die Besatzer beantworteten nie die Frage, warum er hier saß. Also saß der Mann einfach im Gefängnisraum und hörte zu, wie die neuen Gefangenen verhört und gefoltert wurden.
Einige Gefangene, so Vadym, wurden von den Russen freigelassen. Aber dafür mussten sie entweder ein Interview geben, in dem sie die ukrainischen Soldaten aufforderten, die Waffen niederzulegen oder anderweitig mit dem Feind zu kooperieren. Vadym und viele andere Männer konnten nicht gegen ihr Gewissen handeln und blieben daher lange in ihren Gefängnisräumen.
Vadym wurde am 110. Tag seiner Inhaftierung freigelassen, als die ukrainischen Streitkräfte bereits eine Gegenoffensive im Sektor Charkiw gestartet haben. Davon wusste er jedoch noch nichts.
„Zwei Tage lang haben sie die “Futtertröge” komplett geschlossen. Sie ließen uns ohne Essen, ohne alles. Am Abend des zweiten Tages begannen die Gefangene, an die Tür zu klopfen. Wir dachten, sie kämen durch und würden alle verprügeln. Das war dort immer so: Wenn jemand etwas verbrochen hatte, wurde jeder bestraft. Aber es kam niemand. In unserem Gefängnisraum saßen vor allem Leute in meinem Alter, und die Jüngeren hatten gesundheitliche Probleme. Und im dritten Gefängnisraum waren ganz normale Jungs: Sie brachen die Pritsche auf und begannen, die Gitterstäbe zu zerschlagen. Sie müssen drei Stunden lang gearbeitet haben. Die ganze Zeit über gab es nur einen Gedanken: "Jetzt wird die Patrouille etwas hören, und wir verschwunden!””, sagt Vadym Kuzenko.
Den Männern in jenem Gefängnisraum gelang es jedoch, sich zu befreien, die Schlüssel zu finden und die anderen Gefängnisräume zu öffnen. Dann fanden Vadym und die anderen Gefangenen ihre Dokumente und verließen die Polizeistation. Laut Vadym wurden nicht nur Männer in der Folterkammer festgehalten, sondern auch Frauen, Mädchen und Menschen, deren Geschäfte von den Russen weggenommen wurden.
Zu dieser Zeit waren die russischen Besatzer noch in Kupjansk, aber sie begannen allmählich, die Stadt zu verlassen, weil die ukrainischen Streitkräfte sich näherten. Vadym und die anderen hatten Angst, dass man nach ihnen suchen würde, aber niemand störte sie mehr. Als Vadym auf seine Datsche zurückkehrte, überprüften die Russen nicht mehr seine Urkunden und fragten nicht, ob er aus der Folterkammer geflohen war. Sie kamen einfach mit Maschinengewehren herein und baten um Essen.
„Mein Freund fragte: „Woher kommt ihr?“ – „Omsk, Tomsk...“ – „Warum seid ihr zur Armee gegangen?“ – „Um mein Strafregister zu löschen“. Und sie sagten immer: „Ihr seid reich“. Sie betonten ständig, dass die Ukrainer reich sind“, sagte Vadym.
Das Material wurde auf der Grundlage von Zeugenaussagen erstellt, die von den Dokumentierer der Charkiw Menschenrechtsschutz-Gruppe gesammelt wurden.
These pictures are created by artificial intelligence. They are NOT real. They are illustrations of the stories we tell. Most of these stories could not have been fixed by the camera. At the same time, there is documentary work by hundreds of Ukrainian and international photographers who produce real, and so much painful, documentation of this war. Check photographs by Oleksandr Glyadelov, Maksym Dondiuk, Mstyslav Chernov and Yevhen Malolietka, Andriy Dubchak, Yulia Kochetova, and many others.